Winter ade, Andalusien olé

Winter ade, Andalusien olé

Zwischen tristem deutschen Novemberwetter und sonni­gen 22 Grad bei blauem Himmel liegen genau 2 Stunden und 45 Minuten, denn genau so lange braucht der A320 um uns von Frankfurt am Main nach Málaga in Andalusien zu befördern. Nach einer Saison, in der wir mit Motorradwetter nicht gerade verwöhnt worden sind, haben wir uns eine Saisonverlängerung der ganz besonderen Art gegönnt und uns das südliche Spanien als Ziel gewählt.

Am Flughafen wartet bereits unser Freund Siggi, der in den nächsten Tagen unser Tourguide sein wird. Wir haben den Ex-Motorradrennfahrer vor einem halben Jahr im Bikertreff „Am Turm“ in Braunfels kennengelernt, als der Anda­lusien-Fan und Turmwirt Richard uns den Mann vorstellte, der jetzt unser Gepäck in seinem Range Rover verstaut. Siggi lebt das Winterhalbjahr hier in Málaga, betreibt dort einen kleinen Reifenhandel und hat, Gott sei es gelobt und gepriesen, sechs Ducatis in seiner Garage stehen, die er zum einen an Reiseveranstalter vermietet und mit denen er zum anderen mit interessierten Personen Touren in seiner 2. Heimat unternimmt.

Dass er das Leben hier unten genießt, wird uns am Abend klar, als er uns voller Begeisterung durch Málaga führt, das mit seinen Bodegas, Tapas-Bars und herrlicher Architektur ein wirklicher Kracher ist. Er gehört hierher. Dies zeigt nicht zuletzt die Kommunikation mit den Einheimischen. Gute Sprachkenntnisse, ein Scherzchen hier, eine Nachfrage da, ja, so sieht richtige Integration aus. Da sind wir anderes gewöhnt, wenn wir im Fernsehen Auswandergeschichten über uns ergehen lassen, in denen Naivlinge ohne spanische Sprachkenntnisse auf Mallorca mit ihren Billigschmuck­läden brutal auf dem Bauch landen.

Wir übernachten im schönen Granada, nehmen mit der Sierra Nevada am nächsten Tag einen Traum unter die Motorradreifen und sind wie Kinder begeistert vom Schnee, der sich an der höchsten Stelle unserer Tour beeindruckend angesammelt hat.

Wir treiben die Ducs nun westwärts, in Richtung Antequera, um dem bekannten Nationalpark einen Besuch abzustatten. Siggi guided in moderatem Tempo, für die folgende Elke bedeutet das schon einen kleinen Dreh mehr am Gashahn und bei mir als letztem wird es dann bereits ein wenig sportlich, vor allem wenn ich meine Blicke wieder mal zu lange ins herrliche Rahmenprogramm gerichtet habe.

Die Straße schlängelt sich durch das abwechslungsreiche Hinterland, Verkehr findet kaum statt und man fühlt sich im positiven Sinn mit sich alleine, besser gesagt ganz bei sich. Weitab, obwohl mittendrin, von der Eurokrise und den sonst unseren Alltag beherrschenden Themen wie Praxisgebühr, Energiewende und nicht fertig werden­den Flughäfen. Und jedes Mal sind es die einfachen Essensstätten, die sowohl von den dort arbeitenden Menschen und von den gleichermaßen bodenständigen Speisen her faszinieren. Siggi muss nicht erzählen, warum er hier lebt, wir können es nachvollziehen.

Als wir dann im Nationalpark „Torcal de Antequerra“ einfahren, sehen wir sofort, warum es hierfür in unserer Generalkarte die höchste Punktzahl gibt. Die Durchfahrt mit dem Motorrad ist ein Traum. Das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein kommt auf, da uns solche Gesteinsformen bisher nicht bekannt waren. Auch hier oben, am Infohaus des Nationalparks, ist zu dieser Jahreszeit wenig los. Während wir die knapp 12 Grad hier oben und die durchschnittlich 20 Grad auf unseren Touren als absolutes Traumwetter empfinden, platzt Andalusien nur in den Monaten aus den Nähten, in denen es zum Biken ohnehin unerträglich heiß wird. Aber wer braucht schon 35 Grad zum Touren?

Wir besuchen die Festungsstadt Antequera und lenken dann unsere Bikes wieder in Richtung Küste, wo wir uns für mehrere Tage im RIU-Hotel in Benalmadena eingemietet haben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist das 4-Sterne-Haus in der Nebensaison recht preiswert zu buchen, verfügt über eine tolle Garage und bietet die Gelegenheit, alles was am Abend Spaß macht, zu Fuß zu erreichen. Dazu gehört ein herrlicher Yachthafen mit vielen Restaurants, Bars und Pubs.

Unser Ziel am nächsten Tag heißt Ronda, Andalusiens berühmte Brückenstadt. Auf dem gut ausgebauten und zum sportlichen Fahren leider hervorragend geeigneten Motorradweg muss man den Tacho laufend im Auge behalten, sonst macht man schnell mit den in Blau gekleideten Sheriffs Bekanntschaft. Ronda beeindruckt uns sofort und bietet neben der berühmten Brücke, mit Stierkampfarena und herrlichen Cafés viele Gründe zum längeren Verweilen.

Am Abend haben wir dann einen spannenden Termin in Fuengirola, das nur zehn Taximinuten von unserem Hotel entfernt liegt. Seit langer Zeit halten wir, den sozialen Netzwerken sei Dank, Kontakt mit Michael Jürgensen. Michael ist Leiter einer Klinik in der Uckermark und organisiert einmal im Jahr die „Blutsbrüdertour“, eine tolle Aktion, die aus einem Mix aus Tourenspaß, gemeinsamen Abfeiern und einer Blutspende­aktion besteht und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. Michael ist hier mit einer Männerclique unterwegs, die min­destens einmal im Jahr mit den Bikes gemeinsam dem Alltag entflieht. Nach Norwegen, Madeira und vielen anderen Stationen ist diesmal Andalusien an der Reihe. Die Jungs sind mit den eigenen Bikes unterwegs, die vom Reiseveranstalter Almoto erstaunlich günstig hertransportiert und später wieder zurückbefördert werden.

Der Abend mit Michael und seiner Truppe ist einfach herrlich. Als würde man sich seit Jahren kennen wird geredet, gescherzt und Blödsinn gemacht. Als dann ein Teilnehmer die nette Bedienung auf einen Stuhl setzt und diese Last mit einem Arm auf den Tisch befördert, ist die Stimmung am Überkochen.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von Siggi und einer herrlichen Motorradregion, nicht ohne darüber nachzudenken, wie man hier etwas gemeinsam für unsere Leser organisieren könnte, denn Andalusien ist ein Erlebnis, das man teilen muss. Wir arbeiten daran.

Bei der Rückkehr nach Hessen stand natürlich ein Pflichtbesuch zur Berichterstattung im Bikertreff „Am Turm“ an. Auch Richard Böhm will zukünftig im Winter viel Zeit im spanischen Motorradparadies verbringen und dort seinen Bikergästen die Region zeigen. Ein Bikertreff dort wäre toll, motiviere ich ihn und sehe das Funkeln in seinen Augen. Na ja, vielleicht treffen wir uns ja dann alle mal bei Ricardo Boemez im „El Turmero“.

Hotel Riu
Puerto Marina
Benalmadena

Avd. del puerto deportivo, s/n
Benalmadena – Malaga

Telefon +34 (0) 952961696
Telefax +34 (0) 952442889

www.riu.com

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